Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci, hat zum heutigen Welttag gegen die Todesstrafe ein sofortiges Hinrichtungsmoratorium im Iran gefordert. Todesurteile sollen ausgesetzt und die Strafe vollständig abgeschafft werden. Seine Erklärung veröffentlichte das Auswärtige Amt am 10. Oktober. [1]

Castellucci bekräftigt darin die deutsche und europäische Ablehnung der Todesstrafe unter allen Umständen. Diese Haltung gelte auch gegenüber engen Partnern. Er verweist auf diplomatische Arbeit in den Vereinten Nationen und die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen. [1]

Was die Zahlen aussagen

Der von ihm herangezogene Amnesty-Bericht dokumentiert für 2025 mindestens 2.707 Hinrichtungen weltweit, darunter mindestens 2.159 im Iran. Das sind Zahlen zum vergangenen Kalenderjahr, keine Bilanz von 2026. Amnesty weist ausdrücklich auf erhebliche Lücken hin: Die Organisation geht etwa in China von Tausenden weiteren Hinrichtungen aus, die wegen staatlicher Geheimhaltung nicht in der veröffentlichten Gesamtsumme enthalten sind. [2]

Die Organisation verzeichnet für 2025 Hinrichtungen in 17 Staaten, zwei mehr als 2024. Die Anwendung konzentriert sich damit auf eine begrenzte Gruppe von Ländern; gegenüber dem Vorjahr sank diese Zahl jedoch nicht. Aus fehlenden öffentlichen Angaben anderer Staaten lässt sich keine Entwarnung ableiten. [2]

Erklärung und Umsetzung

Der heutige Vorstoß ist eine politische Forderung. Die Erklärung dokumentiert keine Zusage der iranischen Regierung, ihr zu folgen, und kein bereits erreichtes Moratorium.

Unsere Einordnung: An der Umsetzung wird sich zeigen, welche diplomatischen Schritte und Unterstützung für Betroffene der Forderung folgen. Für eine ehrliche Bilanz müssen politische Absicht, nachgewiesene Veränderungen und die Grenzen der verfügbaren Statistik getrennt bleiben.