Vor dem bundesweiten Treffen der CDU-Kreisvorsitzenden mit Parteichef Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann in Berlin wächst an der Parteibasis die Unruhe. Mehrere Kreisvorsitzende äußerten im Vorfeld deutliche Kritik am Kurs der Bundesspitze und machten die Bundespolitik für Mitgliederverluste und sinkende Umfragewerte verantwortlich.
Besonders aus den ostdeutschen Landesverbänden Thüringen, Brandenburg und Sachsen wurden warnende Stimmen laut. Ein Kreisvorsitzender sprach von einer „dunkelroten Alarmlampe“ und forderte, die Probleme der Kommunen bei Migration, Finanzen und Wirtschaftslage in Berlin endlich ungeschminkt zur Sprache zu bringen.
### Kritik am Programm der Konferenz
Kritik entzündet sich auch an der Ausgestaltung der Berliner Tagung. Vertreter mehrerer Kreisverbände bemängelten, das Treffen sei zu stark auf organisatorische Formalien und Vorträge ausgerichtet. Erforderlich sei stattdessen eine ausgiebige Generaldebatte, bei der Kreisvertreter ihre Erfahrungen aus der kommunalen Praxis direkt vorbringen könnten.
Vereinzelt wurde an der Basis sogar eine personelle Entflechtung zwischen Kanzleramt und Parteivorsitz ins Gespräch gebracht, um die Schlagkraft des Bundesverbands zu stärken. Diese Forderung stößt im Bundesvorstand auf entschiedene Ablehnung.
### Parteiführung verteidigt Kurs
Generalsekretär Carsten Linnemann wies die Kritik zurück und betonte, die CDU habe mit ihren Reformbeschlüssen zur Bürgergeld-Reform und zum Rentenpaket klare Akzente gesetzt. Die Konferenz in Berlin diene dem vertrauensvollen Austausch und werde ausreichend Raum für Diskussionen bieten.
Der sächsische Bundestagsabgeordnete Carsten Körber, der nach der Bundestagswahl 2021 eine umfassende Erneuerung der CDU angemahnt hatte, mahnte Besonnenheit an. Kommunale Rückmeldungen seien wertvoll, dürften aber nicht in öffentliche Schuldzuweisungen umschlagen.
