Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sieht die Bundeswehr bei der personellen Verstärkung auf einem tragfähigen Kurs. Angesichts einer deutlichen Zunahme bei den freiwilligen Meldungen für den Dienst an der Waffe halte er die Einführung einer gesetzlichen Dienstpflicht für junge Männer derzeit für nicht erforderlich. Das neue Wehrdienstmodell, das auf gezielte Befragungen, moderne Ausbildungsangebote und attraktive Qualifizierungsanreize setzt, zeige die erhoffte Wirkung.

Nach Angaben des Verteidigungsressorts haben sich die Bewerberzahlen im abgelaufenen Quartal spürbar stabilisiert. Ziel der Bundesregierung bleibt es, die Streitkräfte schrittweise von derzeit rund 182.000 auf 203.000 Soldatinnen und Soldaten im Jahr 2031 aufzustocken und die Reserve auf bis zu 260.000 einsatzbereite Kräfte auszubauen.

### Umsetzung des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes

Das vom Bundestag verabschiedete Wehrdienst-Modernisierungsgesetz sieht vor, dass alle jungen Männer nach Erreichen der Volljährigkeit einen digitalen Erfassungsbogen ausfüllen müssen, um Qualifikationen und Bereitschaft für einen freiwilligen Grundwehrdienst zu erheben; für Frauen gilt das Ausfüllen auf freiwilliger Basis. Pistorius betonte, dass dieses schrittweise Verfahren ausreiche, um die bestehenden Ausbildungskapazitäten der Teilstreitkräfte voll auszulasten. Eine reaktivierte Zwangserfassung würde angesichts knapper Kasernenplätze, fehlender Ausbilder und Verzögerungen bei der Ausrüstungsbeschaffung vor allem organisatorischen Mehraufwand verursachen.

In der parlamentarischen Debatte im Deutschen Bundestag bleibt das Thema dennoch hoch umstritten. Die Unionsfraktion bezweifelt, dass die anvisierten Personalziele allein auf freiwilliger Basis erreicht werden können. Sie plädiert weiterhin für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr oder ein verpflichtendes Losverfahren nach skandinavischem Vorbild, sollte die Sollstärke der Truppe im kommenden Jahr verfehlt werden.

### Kontroverse über Haushalt und Kasernenkapazitäten

Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke warnen hingegen vor einer schleichenden Militarisierung der Gesellschaft und verweisen auf erhebliche Folgekosten für den Bundeshaushalt. In Kleinen Anfragen an die Bundesregierung forderte Die Linke Aufklärung über den tatsächlichen logistischen Aufwand und die Modernisierungskosten maroder Truppenunterkünfte.

Zudem mahnen Sicherheitspolitiker an, dass mehr Personal zwingend mit moderner Munition, persönlicher Schutzausrüstung und digitaler Funktechnik unterlegt sein müsse. Im Verteidigungsausschuss des Bundestages stehen in den kommenden Wochen mehrere 25-Millionen-Euro-Vorlagen zur Beschaffung an, die den Ausbau der militärischen Infrastruktur absichern sollen.