Ein Bündnis aus 13 Verbänden fordert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil auf, die Stromsteuer für sämtliche Unternehmen und private Haushalte rasch auf das europäische Mindestmaß zu senken. Der Verbraucherzentrale Bundesverband veröffentlichte den Appell am 30. Oktober. Der an Klingbeil gerichtete gemeinsame Brief ist auf den 29. Oktober datiert. [1][2]

Zu den Unterzeichnern gehören neben dem vzbv der Energieverband BDEW, Bitkom, der Handelsverband Deutschland, der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA sowie Verbände der Elektrobranche. Sie verlangen, die Entlastung nicht vom Entstehen künftiger finanzieller Spielräume abhängig zu machen. [2]

Entlastung und Elektrifizierung als Argumente

Die Verbände erwarten von niedrigeren Stromkosten mehr Kaufkraft, eine bessere Liquidität von Unternehmen und günstigere Bedingungen für Investitionen. Sie verweisen auf Wärmepumpen, Elektromobilität und industrielle Prozesse, die Strom statt fossiler Energieträger nutzen. Die behaupteten Wachstumswirkungen sind die Begründung der Unterzeichner; eine bezifferte Gegenfinanzierung legt der Brief nicht vor. [2]

vzbv-Vorständin Ramona Pop kritisiert, die Entlastung sei den Haushalten bereits mehrfach in Aussicht gestellt worden. Der Verband verlangt nun die Umsetzung für alle Verbrauchergruppen. [1]

Finanzierung bleibt der Streitpunkt

Klingbeil hatte sich grundsätzlich für eine Entlastung ausgesprochen, zugleich aber vor nicht finanzierbaren Versprechen gewarnt. Die ARD berichtete darüber am 25. Oktober. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte auf dem CSU-Parteitag für eine Senkung im nächsten Jahr geworben. Das waren Positionen vor dem neuen Verbändebrief, keine Antworten auf ihn. [3]

Der Appell ist eine gemeinsame Intervention von Interessenverbänden in die Haushaltsdebatte. Eine beschlossene allgemeine Steuersenkung oder eine neue Finanzierungszusage Klingbeils ist damit nicht belegt. Die unterschiedlichen Vorschläge zur Finanzierung erläutert unser [Beitrag vom 25. Oktober](/artikel/stromsteuer-finanzierung-streit-2026-10-25).