Die Bundesregierung erwartet für 2026 ein preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche stellte die Herbstprojektion am 8. Oktober vor. Im Frühjahr war die Regierung noch von 0,5 Prozent ausgegangen. Für 2027 lautet die neue Erwartung 1,1 Prozent, für 2028 nur noch 0,6 Prozent. Das sind Vorhersagen für die Jahresergebnisse, keine bereits feststehenden Wachstumszahlen. [1]

Was die besseren Zahlen trägt

Als wichtige Antriebe nennt die Regierung Exporte und staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Reiche verlangt zusätzliche private Investitionen und weitere Reformen, damit die Erholung dauerhaft trägt. Die Regierung verweist zugleich auf Energiepreise und geopolitische Konflikte als Risiken für Konsum und Investitionen. [1]

Die Zahlen zeigen auch, weshalb eine höhere Wachstumsprognose nicht automatisch bei allen Haushalten als Verbesserung ankommt. In der veröffentlichten Eckwertetabelle wird die Zahl der Erwerbstätigen im Inland für 2026 um 0,5 Prozent niedriger angesetzt als im Vorjahr; für 2027 wird ein weiterer Rückgang um 0,4 Prozent erwartet. Der preisbereinigte private Konsum soll dieses Jahr lediglich um 0,3 Prozent zulegen. Die Verbraucherpreise dürften im Jahresdurchschnitt um 2,7 Prozent steigen, 2027 um 3,0 Prozent. Auch diese Angaben sind Prognosen. [2]

Zweifel an der Dauerhaftigkeit

Die Tagesschau berichtet neben der Regierungsdarstellung über Einwände der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Deren Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov führt die Erholung wesentlich auf Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt und kreditfinanzierte Staatsausgaben zurück. Sie fordert niedrigere Kosten und bessere Investitionsbedingungen. Das ist die Bewertung einer Wirtschaftsvertretung, kein unabhängiger Nachweis, dass öffentliche Investitionen unwirksam wären. [3]

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer betont laut demselben Bericht ebenfalls die Bedeutung privater Investitionen, eines berechenbaren Umfelds und von Strukturreformen. Sie kritisiert einzelne kurzfristige Entlastungsmaßnahmen der Regierung. Damit bleibt politisch umstritten, welche Ausgaben und Reformen nachhaltiges Wachstum schaffen. [3]

Unsere Einordnung

Die Aufwärtskorrektur ist eine gute Nachricht über die erwartete Wirtschaftsleistung. Sie ersetzt jedoch keine Bilanz darüber, wie sich Arbeitsplätze, Kaufkraft und private Investitionen entwickeln. Gerade diese Größen sollten neben der BIP-Zahl beurteilt werden. Ein einzelner Prognosevergleich belegt auch nicht, welchen Anteil eine bestimmte Regierungsmaßnahme an der Entwicklung hat.

Die Eckwerte sind außerdem Grundlage für Steuerschätzung und Haushaltsplanung. Die Prognose beeinflusst damit politische Entscheidungen schon vor dem tatsächlichen Jahresergebnis. [2]