In der Debatte über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet sich eine erste parteiübergreifende Initiative ab. Mehrere CDU-Ministerpräsidenten, darunter Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther, haben sich öffentlich dafür ausgesprochen, die bayerische Landtagspräsidentin und frühere Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) als gemeinsame Kandidatin der Union für das höchste Staatsamt vorzuschlagen. Unionsfraktionschef Thorsten Frei bezeichnete Aigner am Donnerstag ausdrücklich als „hervorragende Personalie“, die parteiübergreifend Respekt genieße.
Die zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier endet im Frühjahr 2027. Eine erneute Wiederwahl ist nach Artikel 54 Absatz 2 des Grundgesetzes ausgeschlossen. Die Wahl durch die Bundesversammlung erfordert breite parteipolitische Mehrheiten, weshalb frühzeitige Sondierungen im parlamentarischen Raum traditionell von hohem Gewicht sind.
### Überparteiliche Statur und landespolitische Erfahrung
Ilse Aigner verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Bundes- und Landesparlament. Vor ihrer Wahl zur Präsidentin des Bayerischen Landtags im Jahr 2018 war sie unter anderem Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin. Befürworter heben hervor, dass Aigner durch ihre ausgleichende Amtsführung im Landtag hohes Ansehen über Parteigrenzen hinweg erworben habe.
Zudem wird in den Unionsreihen betont, dass es nach über sieben Jahrzehnten Bundesrepublik an der Zeit sei, erstmals eine Frau an die Spitze des Staates zu wählen. Dass der Vorschlag von CDU-Ministerpräsidenten ausgeht und eine profilierte CSU-Politikerin ins Spiel bringt, wird in Berlin auch als Signal für den inneren Zusammenhalt von CDU und CSU gewertet.
### Reaktionen im parlamentarischen Raum
Die Bundesversammlung setzt sich aus den Mitgliedern des Deutschen Bundestages und einer gleichen Anzahl von Vertretern zusammen, die von den Landesparlamenten gewählt werden. Aufgrund der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse sind tragfähige Mehrheiten in der Regel auf Absprachen zwischen den großen Fraktionen angewiesen.
Aus den Reihen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen wurde zurückhaltend reagiert. Vertreter beider Parteien betonten, es sei verfrüht, sich bereits mehr als ein Jahr vor der Bundesversammlung auf Personalien festzulegen. Gleichwohl wurde Aigners institutionelle Kompetenz nicht in Abrede gestellt. Die offizielle Kandidatenkür wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet.
