Das Bundesverkehrsministerium und die DB InfraGO haben am 9. Oktober ihre Sanierungsstrategie geändert. Für 2027 bis 2031 sind nur noch 13 statt zuvor 21 Korridorsanierungen vorgesehen. Nach ihrer gemeinsamen Mitteilung sollen die übrigen Vorhaben verschoben, nicht gestrichen werden. Verkehrsminister Steffen Bilger begründet den Schritt mit knappen Netz- und Baukapazitäten sowie unzureichenden Ergebnissen bisheriger Projekte. [1]

Weniger Baustellen, bessere Vorbereitung

Der neue Plan setzt auf stabilere Umleitungsstrecken, abgestimmte Baustellen und eine schrittweise Wiederaufnahme des Verkehrs. Die digitale Zugsteuerung ETCS soll zunächst vorbereitet und ab Anfang der 2030er-Jahre grundsätzlich direkt eingebaut werden. Ein weiteres Ziel bleibt, infrastrukturbedingte Störungen nach einer Sanierung um 80 Prozent zu verringern – nun spätestens 100 Tage nach der Inbetriebnahme, nicht sofort. [1]

Die von der Tagesschau veröffentlichte Planung nennt für 2027 unter anderem Rosenheim–Salzburg und Fulda–Hanau, für 2029 Hamburg–Hannover und Aachen–Köln. Solche Termine sind Planungen; sie belegen noch keinen abgeschlossenen Bau oder stabileren Fahrplan. [2]

Wie die Bahn den Ansatz verteidigt

Bahnchefin Evelyn Palla hält nach dem ARD-Bericht an gebündelten Sanierungen fest. Der Konzern verweist auf Verbesserungen an Riedbahn und Nürnberg–Regensburg. Dem stehen erhebliche Verspätungen nach der Sanierung Hamburg–Berlin gegenüber. Die angeführten Erfolgswerte stammen von der Bahn selbst und ersetzen keine einheitliche unabhängige Auswertung aller Korridore. [2]

Kritik an den Verschiebungen

Der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel bezweifelt, dass die neue Strategie pünktlichere Züge bringt. In einer von dts verbreiteten Äußerung gegenüber der Rheinischen Post wirft er der Koalition zu geringe Investitionsbereitschaft vor. Aufgeschobene Generalsanierungen könnten zusätzliche Zwischenreparaturen und damit weitere Sperrungen nötig machen. Das ist seine politische Bewertung; die Mitteilung belegt weder das behauptete Haushaltsmotiv noch die künftige Zahl der Sperrungen. [3]

Unsere Einordnung

Ein kleineres Programm kann glaubwürdiger sein als ein voller Kalender mit wiederholten Verzögerungen. Es bedeutet zugleich, dass Fahrgäste auf manchen Strecken länger auf die große Erneuerung warten. Ob die neue Priorisierung hilft, sollte deshalb anhand konkreter Strecken beurteilt werden: Wie zuverlässig sind Umleitungen? Welche Arbeiten werden zwischenzeitlich nötig? Und verbessert sich der Betrieb nach Wiedereröffnung dauerhaft?

Die Ankündigung enthält dafür überprüfbare Ziele. Die spätere Umsetzung muss zeigen, ob weniger parallele Großbaustellen tatsächlich verlässlichere Verbindungen ermöglichen.