Rund zwei Wochen nach ihrer Ankündigung, den SPD-Parteivorsitz niederzulegen und um Entlassung als Bundesarbeitsministerin zu bitten, hat sich Bärbel Bas erstmals ausführlich in einem Medieninterview geäußert. Gegenüber ntv und RTL wies die Duisburger Bundestagsabgeordnete Vorwürfe unsauberer Amtsführung zurück und beklagte eine gezielte politische Kampagne gegen ihre Person.

In dem Gespräch schilderte Bas den wachsenden öffentlichen Druck der vergangenen Wochen. Sie habe die Entscheidung zum Rückzug getroffen, um Schaden von ihrer Partei und der Bundesregierung abzuwenden, halte die erhobenen Anschuldigungen in der Sache jedoch weiterhin für unbegründet.

### Kritik an Merz und eigener Parteiführung

Zugleich übte Bas deutliche Kritik am Koalitionspartner und an Parteifreunden. CDU-Chef Friedrich Merz habe die Debatte genutzt, um die SPD bundespolitisch unter Druck zu setzen und Koalitionsdisziplin zu erzwingen. Auch aus der eigenen Parteispitze habe sie in den entscheidenden Tagen vor ihrem Rücktritt nicht den erforderlichen Rückhalt erfahren. Der Umgang mit persönlichen Krisen in der Spitzenpolitik offenbare ein tiefgreifendes Vertrauensproblem.

Auf die Frage nach ihrer künftigen Rolle betonte Bas, sie werde ihr direkt gewonnenes Bundestagsmandat für den Wahlkreis Duisburg I mit vollem Engagement fortführen. Eine Rückkehr in herausgehobene Regierungs- oder Parteifunktionen strebe sie derzeit nicht an.

### Reaktionen aus den Fraktionen

In der SPD-Bundestagsfraktion stießen die Äußerungen auf geteilte Reaktionen. Während Vertreter des linken Flügels Bas für ihre Offenheit dankten und die innerparteiliche Debattenkultur kritisierten, mahnten Vertreter der Parteispitze zur Mäßigung, um die laufende Regierungsarbeit nicht zusätzlich zu belasten.

Aus den Reihen der Unionsfraktion hieß es, die Verantwortung für personelle Turbulenzen liege allein bei der SPD. Eine formelle Entlassungsurkunde des Bundespräsidenten für das Ministeramt steht nach amtlichen Auskünften weiterhin aus; bis zum Stichtag führt Bas ihr Mandat als Abgeordnete im Deutschen Bundestag regulär fort.